Erlebnisse und Eindrücke von unserem Besuch vom 3. - 17. April 2019.

Auch Ando und Raissa brauchen unsere Hilfe

Die letzten vier Tage haben wir in der riesigen Familie von Ando und Raissa am

Rande der Hauptstadt Antananarivo gelebt. Das war für mich ein einzigartiges

Erlebnis, das mich zutiefst beeindruckt hat. Ich bin froh, nie aufgehört zu haben,

an dieses Werk zu glauben! Madagassisches Denken werden wir nie ganz ver-

stehen, darum war es so wichtig, mitten drin zu sein, zu sehen und zu spüren!

Aktuelles

Im Moment haben Ando und Raissa in ihrem Privathaus 24 Jungen von der

Strasse aufgenommen, d.h. die Polizei oder das Jugendgericht fragt um einen

Platz an. Im Schlafsaal ist es derart eng, dass ich unter der Türe schon Platz-

angst habe: Nichts als Doppelstockbetten bis fast zur Decke und an den Wän-

den fein säuberlich hoch gestapelte Kleider. Ihre privaten, kleinen Dachräume

sind ausgerüstet vor allem mit Möbeln, Bürosachen, Geschirr, die wir mal ge-

schickt haben und das kleine Gästezimmer ist bewohnt von der Mutter von

Raissa, die krebskrank ist.

Zum Glück konnten wir uns deshalb am Abend in ein schönes Bungalow zurück-

ziehen. Für uns waren die engen Verhältnisse und die vielen Menschen sehr an-

strengend !

Zusätzlich gibt es im Parterre eine Schule für 80 arme Kinder der Umgebung.

Schulsachen gesponsert von TELMA (Tel.gesellschaft). Am Mittag sind die

Schulkinder und die Internatsbuben zu verköstigen! An Unterstützung be-

kommt Ando von italienischen Freunden 400 Euro monatlich, alles andere

muss er auftreiben, z.B. auch den Lohn für die 4 Lehrerinnen der Schule,

180’000 Ariary, etwa 45 Franken. Er ist ständig unterwegs, um Geld aufzu-

treiben für sein Projekt, mit Kursen oder Erwachsenenbildung zum Beispiel.

Seine Frau hat eine Ausbildung als Schneiderin gemacht. Jetzt näht sie zu

Hause auf einer guten alten Schweizer Nähmaschine Kleider nach Mass auf

Auftrag für einen Zustupf in die Haushaltskasse.

Vor etwa einem Jahr hat Ando auf dem Land draussen ein grosses Reisfeld kau-

fen können für 150 Euro. Die erste Ernte hat ihren Bedarf für ein halbes Jahr

gedeckt. Wir haben ihm damals eine Pumpe geschenkt, um das Reisfeld nach

Bedarf zu be- oder entwässern.

Seit wir sie kennen gelernt haben, sind die grössten Söhne ausgezogen: Einer ist

Fallschirmspringer beim Militär, Larrio hat die UNI abgeschlossen und hat eine

tolle Stelle in einer madagassischen Firma für Solarenergie und Hector ist ein

grosser, starker, liebevoller junger Mann, nachdem er bei unserer letzten Reise

ganz dringend eine heikle Operation nötig hatte und fast gestorben wäre, weil

Ando das nötige Geld nicht hatte. Solche junge Menschen zu kennen, in ihre

Gesichter zu sehen ist ein wunderbarer Lohn für unsere Arbeit.

In der Familie hat jeder seine Arbeit zu erledigen, nach einer festgelegten Rei-

henfolge. Am Schluss macht die Mutter einen Kontrollgang: Boden putzen,

Hof putzen, Kleider waschen, Wasser auffüllen, Tisch decken, abwaschen, am

Abend Nachtessen kochen …

 

Geschichte von Ando:

Die ersten sechs Buben hat er einfach zusammen gelesen, am späten Abend

zwischen oder unter den leeren Marktständen. Die Dokumente hat er später auf

dem Gericht besorgt. Oft hatten sie nicht genug zu essen, aber sie vertrauten im-

mer darauf, dass sie die Kinder nicht zufällig aufgenommen haben und sich eine

Lösung zeigen werde. Es sei ihre Berufung, sagt er immer wieder. Und es war

auch so! Wieder einmal hatten sie am Abend nichts und wieder einmal nahm er

die Buben an die Hand, um bei seiner Mutter anzuklopfen und um Hilfe zu bitten.

Sie kamen auf dem leeren Markt vorbei. Auf einmal bückte sich einer der Buben,

und zeigte Ando einen Geldschein, der am Strassenrand lag. Sie kehrten um und

kauften Reis auf dem Heimweg. Mehrere so wunderbare Erlebnisse hat er mir er-

zählt!

Jetzt wird er ständig angefragt um dringende Aufnahme eines neuen Jungen. Einer der Klei-

nen ( ab dem 10. Lebensjahr bei ihm) wurde jahrelang von seiner Mutter als Drogenkurier

missbraucht. Jetzt sitzt sie im Gefängnis. Ein anderer ging mit seinem Vater in einer Piroge

zum Fischen. Er musste zusehen, wie sein Vater ertrank. Madagassen können in der Regel

nicht schwimmen. Mit vielen, täglichen Gesprächen fangen Ando und Raissa solche schlim-

me Geschichten auf.

 

Wenn Ando dringend Geld braucht für Doktor, Spital, kaputtes Dach… muss er bei Freunden

und Verwandten um Geld bitten, das er nachher mühsam wieder zurück zahlt. Ein schwieri-

ges Leben scheint mir, wenn man nach unserem Denken berücksichtigt, dass die Buben ja

nicht seine leiblichen Kinder sind, sondern einfach so bedürftig.

Tanjona und seine Brüder wünschen sich sehnlichst eine Fussballerausrüstung, vor allem

Leibchen und Schuhe; sie verletzen sich immer wieder die Zehen, weil die meisten barfuss

sind. Vorsichtshalber hat Tanjona mir eine Liste der Mannschaft angefertigt und feierlich

überreicht. Vielleicht hat jemand eine Idee, wie wir zu Sportausrüstung kommen?