Erlebnisse und Eindrücke von unserem Besuch vom 3. - 17. April 2019.

Die Familie von Feno und Fidy

 

Unseren Aufenthalt vom 3. Bis 17. April haben wir zuerst in der Familie unserer zukünftigen Heimeltern Fidy und Feno von AKANY MENDRIKA in Ambatolampy verbracht. Das Haus steht kurz vor der Vollendung und wir haben wirklich unglaublich viel Schönes und Ermutigendes erfahren.

Wir haben mit ihrer Familie gewohnt, zusammen mit ihren zwei Töchtern und

Antonie und Annie, den beiden ersten Mädchen von AKANY MENDRIKA,

noch im gemieteten Haus in Ambatolampy. Dabei haben wir gemerkt, dass

das Leben auf Mada sehr kompliziert und zeitraubend ist. Für normale Haus-

oder Gartenarbeit gibt es weder praktische Werkzeuge noch sonstige Hilfs-

mittel, alles braucht sehr viel Zeit. Während vieler Stunden haben wir unse-

re Ideen, Pläne und Visionen ausgetauscht. Fidy arbeitet seit vielen Jahren

im sozialen Bereich, leitet Weiterbildungen für Instruktoren, Lehrer, Ausbild-

ner, einfach verschiedenste Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen zu

tun haben. Er hat die richtigen, wichtigen Verbindungen und kennt alle Ab-

läufe und Regeln im Umgang mit Jungen. Er ist überzeugt, dass wir nicht

nur für unsere Mädchen sorgen sollen, sondern die Umgebung, die Familien,

die Bauern ringsum einbeziehen müssen, wenn wir etwas Nachhaltiges tun

wollen. Bereits hat er Aktivitäten für Kinder, Kurse und Weiterbildungen für Erwachsene, Vorstellung von Berufen für Jugendliche vorgesehen. Und die Menschen werden kommen!
Im aktuellen Mietshaus hat Feno eine junge Frau angestellt, die sich um die Wäsche (alles von Hand mit kaltem Wasser) und ums Kochen vom Reis kümmert. Es hat sich herausgestellt, dass etwas anderes nicht möglich ist, da sie absolut keine Lust hat, irgend etwas zu lernen, das ihr eine Chance für eine bessere Anstellung bringen könnte; sie will nur Geld verdienen. Feno und Fidy haben sie entlassen, weil auch Hausangestellte eine Ausbildung bekommen sollen und dazu bereit sein müssen.

 

Arbeit vor Ort

Inzwischen haben wir persönlich mit einigen der Entscheidungsträger gesprochen. Sie haben uns ihre Unterstützung und Hilfe angeboten. Wie Feno und Fidy sind wir sicher, dass wir mit persönlichen Kontakten eine win-win-Situation anstreben können, die allen etwas bringt. Der Bedarf an Plätzen in einem Mädchenheim ist gross; es gibt bereits viele Anfragen. Der zuständige Minister des Staates ist überzeugt von unserer Arbeit und will unser Haus höchstpersönlich einweihen, was er nur sehr selten macht, und das schon sehr bald!

Wir haben das Gefängnis Ambatolampy besucht. Dort arbeitet Frau Dr. Lalaina täglich mit den Gefangenen (Frauen, Männer, Jugendliche) an ihrer Wiedereingliederung nach der Entlassung. Sie ist eine sehr gut ausgebildete, fröhliche und entschlossene Frau. Sie hat uns angeboten, je nach Bedarf regelmässig mit unseren Strassenmädchen zu arbeiten, ihre schlimme Lebensgeschichte, die physischen und psychischen Verletzungen bewältigen zu helfen. Wir haben dafür Reserveplätze bereit für dringend nötige, zeitlich begrenzte Aufnahme von Töchtern von gefangenen Frauen. Ich werde auch gestrickte Pullis sammeln, Ausgangsmaterial für Webarbeiten der Frauen während ihrer Haft.

Die Chefin vom ganzen Distrikt, eine ganz junge Frau mit Universitätsabschluss,

hat uns empfangen und uns dabei ihre Unterstützung zugesichert. Sie hat sehr

viel Energie und Ideen für Veränderungen und Kraft ihres Amtes auch viel Macht.

Sie ist sehr dankbar, wenn wir ihr französische Bücher liefern für ihr Projekt, die

Gemeindebibliothek wieder einzurichten. Sie soll ein Treffpunkt für die Einwoh-

ner von Ambatolampy werden, direkt am Hauptplatz gelegen.

Auch mit der Polizei und mit der Inspektorin für Gesundheit des Distrikts haben

wir gesprochen, um Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung zu finden.

Bei dieser Gelegenheit haben wir einen Augenschein nehmen können vom Zu-

stand des staatlichen Spitals, dem Ort, wo unsere Mädchen im Notfall landen

würden. So was habe ich noch nie gesehen! Fast leere Zimmer, verrostete Bett-

gestelle ohne Matratze zum Teil, Kasten leer, ohne Türen, kein Material, einfach gar nichts! Angestellte gibt es, die Pflegerinnen waren grad so halbherzig am Jäten, der Radiologe hat uns seine verrostete Einrichtung gezeigt und der Chirurg hat uns die Operationszimmer gezeigt, wo leider keine OPs mehr möglich sind, weil die uralte Beleuchtung nicht mehr geht.

Zukunft

Schon sehr bald soll das Haus eingeweiht werden. Der Herr Minister wird die definitive Bewilligung zum Führen des Mädchenhauses persönlich überbringen. Allerlei fehlt noch: Die Umzäunung ist den Behörden sehr wichtig, die Sicherheitsvorrichtungen fehlen zum Teil noch, auf dem Dach die beiden Fahnenmasten mit den Flaggen von Madagascar und der Schweiz…

Wir haben geplant, den Betrieb mit maximal 10 Mädchen aufzunehmen. Diese kommen einzeln oder zu zweit zu den beiden ersten dazu. Es folgt eine intensive Erprobung der Aufnahmekriterien, Gesundheitsabklärungen, Abläufe und Regeln im Heim. Die acht neuen Kinder werden bis zum Schulbeginn im Herbst im Haus bleiben und von Feno in allem unterrichtet werden, was es bei uns braucht, das kann z.B. mit essen am Tisch und nicht auf dem Boden, schlafen in einem richtigen Bett, schneuzen in ein Taschentuch und nicht ins T-Shirt beginnen und mit Abklärungen über die Einschulung enden.

Auf jeden Fall haben wir mehr denn je zu tun, der Bedarf an verschiedensten Materialien ist notiert und wir hoffen jetzt auf die Mithilfe unserer Freunde und Bekannten. Ein wunderschönes Haus haben wir, das Wohlwollen der Behörden auch und an uns ist es nun, den Betrieb des Heimes und den Einbezug der Nachbarn und Familien zu ermöglichen.